[*.txt] Glück – Nephilim (Teil 6)

Und weiter geht es auch schon mit dem 10. Wort von Dominik und somit auch Teil 6 meiner Nephilim-Story.

txt-Wort-10(Beitrag zum Projekt *txt)

Mom und ich planten für den heutigen Tag einen Ausflug in die Stadt. Wir wollten herausfinden, wie gut ich unter Menschen zurechtkäme, damit ich bald wieder zur Schule gehen konnte, ohne, dass meine Schwingen hervorbrechen und mich als Nephilim enttarnen könnten.

Nachdem mir Mom beim Anlegen meiner Schutzkleidung, wie wir sie mittlerweile nannten, geholfen hatte, fuhr sie im Anschluss den Wagen vor, während ich noch rasch meine Tasche für den Notfall fertig packte, falls ich fliehen müsste. Dann ging ich zu ihr hinunter mit einer Mischung aus Angst, Panik und einem wild hämmerndem Herzen in meiner Brust, welches gleich herausspringen und vor mir herhüpfen oder wegspringen wollte. Ich war dermaßen hypernervös, dass meine Flügel die ganze Zeit permanent an meinen Rücken klopften und herausbrechen wollten, wäre mein Schutz nicht angelegt gewesen.

“Alles okay, Sky?”, fragte meine Mom liebevoll, der meine Panik aufgefallen war.

“Naja … abgesehen von meiner Panik, dass ich gleich auffliegen werde, ist alles okay.”

“Wir versuchen es. Solltest du aber merken, dass es gleich passiert, dann rennst du los und versuchst dich irgendwo sicher zu verstecken. Dann rufst du mich wie abgemacht an und ich hole dich ab. Okay?!”

Ich nickte heftig und zitternd.

“Du schaffst das, Sky! Da bin ich mir ganz sicher!”

Mom lächelte mich zuversichtlich an, startete den Motor des Wagens und wir fuhren los. Direkt in die Höhle des Löwen: Das Einkaufszentrum. Nervös nestelte ich die ganze Zeit an dem Saum meines dunklen Pullovers herum und hibbelte nervös auf dem Beifahrersitz hin und her, weshalb Mom das Autoradio einschaltete, was mich beruhigen sollte. Doch dadurch wurde ich nur noch nervöser.

Und dann waren wir auch schon da.

Die blanke Panik erfasste mich und ich klammerte mich mit beiden Händen an meinem Sitz fest, so dass die Knöchel weiß hervortraten.

Mom parkte derweil den Wagen nahe der Eingangstür, damit wir im Notfall nicht so weit laufen und den Wagen suchen müssten. Sie drückte meine Hand, lächelte und stieg aus, um mir noch einige Sekunden Zeit für mich zu geben. Dann war ich an der Reihe. Zaghaft löste ich meinen Sicherheitsgurt, umfasste den Türgriff, hebelte ihn auf und öffnete die Tür. Eine leichte Brise umwehte mein Gesicht als ich mich langsam aus dem Auto schälte. Ich sah mich um, entdeckte meine Mom am Heck des Wagens, wie sie im Kofferraum nach irgendetwas suchte und gesellte mich zittrigen Schrittes zu ihr.

“Was suchst du denn, Mom?”

“Ach, ich hatte hier irgendwo eine kleine Taschenlampe für Notfälle rein getan, doch die finde ich gerade nicht. Vielleicht ist sie auch irgendwie herausgerutscht oder so.”

Sie schaute zu mir auf, sah meine noch immer vorhandene Panik, berührte sanft meine Hand und fragte:

“Wollen wir?”

Ich nickte, obwohl ich eigentlich lieber NEIN gesagt hätte. Doch ich musste es versuchen, musste herausfinden, ob ich schon soweit war, unter Menschen gehen zu können ohne meine Flügel herauszulassen. Ich musste herausfinden, ob ich die menschliche Fassade wahren konnte oder aufflog.

„Viel Glück!“, flüsterte Mom und drückte leicht meine Hand. Dann schritten wir beide langsam, beinahe im Zeitlupentempo auf die Eingangstür des Einkaufszentrums zu. Ich blickte mich ständig verstohlen um und suchte in den Gesichtern der Menschen irgendeine Veränderung, die mir verraten würde, ob sie sehen konnten oder wussten, was ich war. Doch die Leute um uns herum beachteten mich gar nicht. Sie eilten und hetzten mit ihren voll gepackten Einkaufstüten und übervollen Einkaufswagen an uns vorbei auf den Parkplatz oder jagten mit Leeren ins Einkaufszentrum hinein, um ihr Geld zu verpulvern. Niemand beachtete uns, keiner achtete auf mich oder meine Flügel, die erneut nervös versuchten, den Schutz zu durchbrechen. Es war beinahe so, als sei ich in der Menschenmenge unsichtbar.

Je weiter wir in das Einkaufszentrum gingen und je länger wir verweilten, umso ruhiger wurde ich allmählich. Irgendwie hatte die Hektik der shoppenden Menschen, der monotone Lärm der rasselnden Rolltreppen, der klappernden Einkaufswagen, der quasselnden Leute und der unterschiedlichen Musik aus den verschiedenen Shops etwas Beruhigendes auf mich. Alles wirkte so unglaublich NORMAL!

“Und, alles okay?”, hörte ich meine Mom neben mir flüsternd fragen.

“Ja, irgendwie schon. Es wirkt alles so normal und gleichzeitig beruhigend auf mich.” bestätigte ich nickend und wirkte weniger nervös auf sie, so dass wir den ersten Laden ansteuern konnten.

Es war ein Modegeschäft, in dem wir neue Kleidung für mich und meine Flügel finden wollten, etwas, womit ich problemlos fliegen und herumlaufen könnte ohne, dass meine Flügel abgeschnürt würden. Ebenso benötigte ich auch noch andere normale Sachen für den Alltag als Mensch, eine neue Jeans zum Beispiel.

Einige Stunden später und mit ein paar Einkaufstaschen bepackt, schlenderten wir zu unserem Auto zurück und ich ließ mich erschöpft auf meinem Sitz nieder. Mom verstaute die Einkaufstaschen im Kofferraum, setzte sich neben mich und brachte uns zurück nach Hause. Leider hatten wir während des Einkaufsbummels in der Mall keine Kleidungsstücke gefunden, die für meine Flügel wirklich geeignet waren. Alles war irgendwie unpassend oder zu eng geschnitten oder zu … Ach, ich hatte irgendwann keinen Nerv mehr gehabt, noch weiter in den Klamottenständern zu wühlen, nur um dann doch wieder feststellen zu müssen, dass nichts so passte, wie ich es wollte. Es war doch jedes Mal immer das Gleiche, deshalb hasste ich diese Art von Einkaufen auch total! Einzig eine Jeans für mich, einige normale Oberteile für meine menschliche Gestalt und ein paar Sachen für Mom sprangen bei dieser Shoppingtour heraus.

Trotzdem war ich froh, dass wir diesen Ausflug gemacht hatten, denn so wussten wir beide nun, dass ich in der Lage war, unter Menschen zu gehen und meine Flügel drinnen zu behalten. Das war schon mal ein riesiger Pluspunkt auf meiner Liste und bedeutete, dass ich bald wieder zur Schule gehen könnte.

 

trennlinie-300x37Alle bereits veröffentlichten Nephilim-Kapitel könnt ihr noch einmal >> HIER << nachlesen.

 

 

 

 

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