[*.txt] Fassade

Ein neues Wort, eine neue Geschichte, diesmal wohl etwas länger, so dass ich sie in mehrere Teile posten werde. Heute gibt es Teil 1 mit der Thematik:

07-FassadeTXT(Beitrag zum Projekt *txt)

Nephilim (Teil 1)

Allmählich tauchte ich aus meinem Tiefschlaf in den Dämmerschlaf hinein und fühlte mich geborgen, eingehüllt in ein warmes wohliges Licht. Ich wollte meine Augen noch nicht öffnen, einfach nur liegenbleiben und diese angenehme Wärme genießen, die sich irgendwie federleicht anfühlte. Anders konnte ich es nicht beschreiben. Dieses warme wohlige Licht und diese Veränderung, die ich in mir spürte. Es war wie in einem sonnigen Traum, doch ich wusste, dass ich mich verändert hatte. Ich schlug die Augen mit einem Lächeln auf, denn mir war auf einmal bewusst geworden, dass heute mein 15. Geburstag war! Ich schlug die Bettdecke zurück, sprang euphorisch aus meinem Bett und riss dabei die Lampe, den Wecker und mein kleines Radio von meinem Nachtschrank. CDs und Bücher aus meinem Regal krachten scheppernd neben ihnen zu Boden und ich schrie.

Schrill. Spitz. Laut. Panisch.

“Aaaaaaaaaaaahhhhhhh!”

Gleich darauf hörte ich Schritte die Treppe hinaufeilen. Mom.

Nein! Sie durfte mich SO nicht sehen! Ich sprintete zu meiner Zimmertür und riss dabei weitere Gegenstände von meinen Regalen und meinem Schreibtisch herunter, die knallend zu Boden flogen und in mir noch mehr Panik verursachten, so dass ich wieder aufschrie:

“Mom!”

Durch die Tür hörte ich, dass sie nur noch wenige Schritte von meinem Zimmer entfernt war und mir zurief:

“Liebes, ich bin gleich da!”

Just in dem Moment als sie meine Zimmertür erreicht hatte und die Klinke herunterdrückte, sprang ich gegen die Tür und drückte sie mit meinem gesamten Körpergewicht fest zu.

“Nein, Mom! Komm bitte nicht rein!”

“Schatz, ist alles in Ordnung bei dir?”

Ich schüttelte energisch meinen Kopf, während mir Tränen über meine Wangen perlten. Doch Mom konnte es nicht sehen.

“Skyler?” hörte ich meine Mom durch die zugehaltene Tür fragen.

“Mom, bitte … “ flehte ich. “Komm bitte nicht rein.”

“Skyler, was ist denn? Kann ich dir irgendwie helfen?”

“Ich wüsste nicht wie …” schluchzte ich und ließ ganz langsam von der Tür ab, die Mom gleich darauf öffnete. Ich trat einige Schritte zurück, fort von der Tür und wollte mich in meinem Zimmer irgendwie irgendwo verstecken. Aber SO ging das nicht. Ich stand heulend vor meiner Mom, die erschrocken den Mund aufgerissen und mich geschockt ansah.

“Oh, mein Gott! Ich hatte gehofft, dass das nicht passiert!”

Erstaunt und wütend zugleich sah ich meine Mutter an.

“Wie meinst du das bitte?”

“Setz dich, bitte.”

Als ich mich nach meinem Stuhl umdrehte, fegte ich gleich wieder etwas mit meinen neuen über Nacht gewachsenen weißen XXL-Flügeln von meinem Schreibtisch und riss gleich darauf mit einem Flügel die Gardine von der Gardinenstange. Wieder rannen mir Tränen über die Wange und ich fragte sarkastisch flehend:

“Wie denn bitte? Ich kann mich kaum bewegen ohne gleich mein gesamtes Zimmer zu verwüsten! Mom, wieso passiert das mit mir? Wieso heute?”

Mom kam auf mich zu, nahm meine Hände in ihre und sprach mit sanfter Stimme:

“Beruhige dich, mein Liebling. Alles ist gut. Du bist jetzt eine Nephilim.”

“Ich bin ein WAS?”

“Eine Nephilim. Ein Wesen dessen Vater ein Engel und die Mutter ein Mensch ist.”

Sprachlos sah ich meine Mutter an, bekam kein Wort zu Stande. Selbst meine Gedanken standen für einen Augenblick still, während sich meine weißen Flügel, die eine Spannweite von ca. 5 Metern hatten, unaufhörlich nervös auf und ab bewegten.

“Skyler, beruhige dich, sonst holst du noch die Lampe von der Decke!”

“Ich versuche es ja, aber ich verstehe es nicht so ganz. Wie konnte das passieren?”

“Das ist eine längere Geschichte.” erwiderte meine Mom.

“Ich will sie hören! JETZT!”

Mom setzte sich auf mein halb verwüstetes Bett und zog mich sanft zu sich, so dass ich mich ebenfalls auf die Bettkante setzen musste. Dann begann sie zu erzählen.

“Ich war sehr jung als ich von meinem Arzt erfuhr, dass ich keine eigenen Kinder bekommen könnte. Für mich brach eine Welt zusammen. Meine Mutter, also deine Großmutter, begleitete mich zu einem anderen Arzt, um eine Zweitmeinung einzuholen. Mit dem selben Ergebnis. Ganz gleich zu wie vielen Ärzten wir noch gegangen wären, wir hätten immer wieder die selbe unschöne Wahrheit gehört. Also schloss ich für mich, dass ich wohl nie eine eigene Familie gründen könne, vielleicht irgendwann eine Adoption, aber nie eigene Kinder.”

Mom sah so traurig aus, als sie mir dies erzählte, so dass ich behutsam ihre Hände drückte, die sie noch immer festhielt.

“Und dann begegnete ich deinem Vater. Er war ein großer schlanker dunkelhaariger gutaussehender Mann, seine Augen strahlten so viel Liebe und Gutes aus, dass ich mich augenblicklich in ihn verliebte. Wir heirateten und ich wurde zu meiner großen Freude doch schwanger, trotz aller Ärzteweisheiten. Ich war schwanger und das Baby in mir wuchs heran und mein Bauch wurde immer runder.”

Mom streichelte mir liebevoll über meine Wange und sah mich mit solch tiefer Liebe an, dass mir die Tränen in die Augen schossen.

“Dieses Baby warst du, Sky.”

“Aber … wie ist das möglich?”

“Die Ärzte und ich standen vor einem Rätsel. Denn ich hätte niemals schwanger werden können. Und doch war ich es.”

Moms Blick driftete immer mehr in die Vergangenheit ab, ich konnte beinahe sehen, wie sich die Bilder vor ihren Augen abspielten als sie fortfuhr.

“Und dann wurde dein Vater bei einer Auseinandersetzung auf der Straße schwer verletzt als du etwa 3 Jahre alt warst. Er lag auf dem Boden als ich ihn fand. Überall war sein Blut. Seine Haut war nicht mehr so strahlend wie sonst, eher aschpfahl und bleich. Doch seine Augen funkelten noch ein wenig. Ich eilte zu ihm, kniete mich neben ihn und hob seinen Kopf sanft auf meinen Schoß. Seine Hand suchte meine und hielt sie fest. Er versuchte zu sprechen, ich konnte seine herausgepressten Worte nur schwer verstehen. Er gestand mir, dass er ein Engel sei und du womöglich eine Nephilim, die beschützt werden muss! Er sagte mir, dass sich deine Flügel und deine Fähigkeiten an deinem 15. Geburtstag zeigen würden, wenn du eine Nephilim bist. Doch wir sollen vorsichtig sein und dein Wahres Ich vor den Menschen und noch mehr vor den Feinden der Nephilim verbergen, damit du in Sicherheit bist!”

“Fähigkeiten? Feinde? Engel?”

Mom nickte bestätigend.

“Und was machen wir nun, jetzt da ich Flügel habe? Ich kann so doch nicht mehr rausgehen!” jammerte ich, während meine weißen Schwingen auf meinem Rücken noch immer mein Zimmer füllten.

“Ich werde erst einmal in deiner Schule anrufen und dich krank melden. Du gehst erst einmal nicht dorthin, bis wir herausgefunden haben, wie wir deine wunderschönen Flügel irgendwie verbergen können, einverstanden?”

Ich nickte.

Mom erhob sich, ging zur Tür, drehte sich wieder zu mir um, betrachtete mich eine Weile erfürchtig und sagte leise:

“Du siehst so wunderschön aus, Skyler! So wunderschön!”

Sie eilte noch einmal auf mich zu und zog mich in ihre Arme. Plötzlich legten sich meine Flügel beschützend um sie und hüllte uns beide in ein weißes Federkleid ein. Ich hörte Mom schluchzen und weinte ebenfalls. Nach einer Weile, die wir so standen, öffnete ich meine Flügel und gab Mom wieder frei. Sie nickte mir mit einem kleinen Lächeln zu und sagte beim Verlassen meines Zimmers:

“Ich rufe nur kurz in deiner Schule an und komme gleich wieder zu dir. Ich habe noch ein besonderes Geschenk für dich. Bleib du bitte hier und versuch irgendwie nichts weiter kaputt zu machen und die Fenster zu meiden.”

Damit eilte sie aus meinem Zimmer hinaus, die Stufen hinunter zum Telefon. Leise hörte ich ihre Worte im Flur, sie sprach scheinbar mit der Schulsekretärin, um mich krank zu melden. Sie sagte etwas von Fieber, Husten und womöglich ansteckbar, so dass niemand mir Hausaufgaben etc. vorbeibringen sollte. Sicherheitshalber. Dann hörte ich wieder ihre Schritte auf der Treppe, diesmal aber kam sie nicht zu mir, sondern verschwand für einen Augenblick in ihrem Schlafzimmer. Als sie wieder bei mir ins Zimmer kam, ich saß noch immer auf meinem Bett – mittlerweile leicht eingeschüchtert und meine Schwingen etwas auf dem Rücken zusammengefaltet auf meiner Bettkante mit Blick aus dem Fenster gen Himmel – überreichte sie mir ein kleines schwarzes Buch mit den Worten:

“Das hatte deinem Vater gehört. Er wollte, dass ich es dir gebe, sobald die Zeichen deiner Nephilim-Fähigkeiten zu sehen sind. Damit meinte er wohl deine wunderschönen Flügel.”

“Danke. Was steht da drin?”, fragte ich neugierig, denn dieses Buch schien so schlicht und einfach gestaltet.

“Ich weiß es nicht. Dein Vater wollte, dass ich es dir unbedingt gebe. Es ist dein Geschenk. Ich habe es nie gelesen.”

Damit erhob sie sich wieder, wandte sich meinen beiden Schlafzimmerfenstern zu und zog die Jalousien herunter.

“Die müssen wir jetzt erst einmal unten lassen, bis wir wissen, wie wir deine Flügel verbergen können.”

“Wie lange wird das dauern?”

“Ich weiß es nicht, mein Liebling. Aber wir bekommen das schon irgendwie hin. Ich glaube an dich und weiß, dass dein Vater dich nur beschützen wollte. Vielleicht steht ja etwas in diesem Buch von ihm drin.” gab sie sich hoffnungsvoll.

“Ich hoffe es!” gestand ich und schoß ein kleines gedankliches Stoßgebet gen Himmel.

“Möchtest du trotz der ganzen Aufregung etwas zum Frühstück essen?”

Ich nickte dankbar für diese kleine gedankliche Ablenkung.

“Gut, dann bringe ich dir gleich was rauf.”

“Danke.”

Mom drehte sich zur Tür um als sie in die Küche gehen wollte, als sie meine Worte hörte:

“Mom?”

“Ja, mein Schatz?”

“Wer hat Dad getötet?”

“Ich weiß es nicht. Ich konnte niemanden sehen. Aber dein Vater bestand sehr darauf, dass ich dich beschützen werde so gut ich kann. Und das werde ich auch versuchen.”

“Danke, Mom.”

Während meine Mutter in die Küche eilte, zog ich mich mit dem Buch meines Vaters auf mein Bett zurück, schlug es auf und las die ersten handgeschriebenen Worte meines Vaters, einem Engel. Unfassbar so etwas zu sagen. Mein Vater war ein Engel! Noch krasser ist, dass ich eine NEPHILIM bin!

Wenn meine Flügel nicht wären, würde ich vermutlich meine Mom für verrückt erklären und mich selbst gleich mit. Aber die Flügel waren nun einmal da und breiteten sich an meiner Bettkopfseite hinter mir entspannt aus. Ich überflog die ersten Seiten und stellte fest, dass es kein Buch direkt an mich gewandt war, sondern eine Art Tagebuch meines Vaters ist.

trennlinie-300x37Den nächsten Teil zu „Nephilim“ gibt es demnächst. Seid also gespannt 😉

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter *.txt, Allgemein, Nephilim abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s